Wegberg pflastert ab
Wegberg pflastert ab
Schottergärten sind ein Problem für das Klima, die Umwelt und die Wohnqualität. Deswegen zeigen wir hier, welche Maßnahmen die Stadt Wegberg ergreift, um mehr naturnahe Vorgärten zu fördern, und wie Sie selbst durch Entsiegelung einen wichtigen Beitrag leisten können.
Warum naturnahe Vorgärten wichtig sind:
Schottergärten und versiegelte Flächen allgemein wirken auf den ersten Blick pflegeleicht, bringen jedoch zahlreiche Nachteile für Umwelt, Klima und das direkte Wohnumfeld mit sich. Steinflächen heizen sich im Sommer stark auf und können Temperaturen von bis zu 70 °C erreichen. Diese Wärme wird gespeichert und später wieder abgegeben – das belastet das Wohnumfeld zusätzlich. Begrünte Flächen wirken dagegen kühlend, verbessern das Mikroklima und sorgen für ein angenehmeres Wohnumfeld.
Auch Regenwasser kann auf versiegelten Flächen und Schotterflächen kaum versickern, besonders wenn Folien oder Vlies unterlegt sind. Das erhöht das Risiko von Überflutungen bei Starkregen und belastet die Kanalisation. Naturnahe Böden speichern Wasser, filtern es und tragen zur Grundwasserneubildung bei. Zudem binden Pflanzen Feinstaub, dämpfen Lärm und bieten wertvollen Lebensraum für Insekten, Vögel und andere Tiere. Begrünte Vorgärten fördern damit aktiv die Artenvielfalt und verbessern die Lebensqualität im gesamten Stadtgebiet.
Was die Stadt Wegberg unternimmt:
Die Stadt Wegberg betrachtet Entsiegelung und naturnahe Gestaltung als wichtigen Bestandteil ihrer Klimaanpassungsstrategie. Auch im Nachhaltigkeitskonzept sind diese Themen fest verankert – unter anderem durch die Bereiche Entsiegelung, Schwammstadtprinzip und Förderung der Biodiversität. Ziel ist es, Hitzeentwicklung zu reduzieren, Regenwasser besser aufzunehmen und die ökologische Vielfalt zu stärken.
Um die Einrichtung naturnaher Gärten zu unterstützen, plant die Stadt aktuell eine Informationskampagne zum Thema "Schottergärten". Sie wird durch weitere Aktivitäten ergänzt, darunter der vergangene Aktionstag „Entsiegelung“ im Rahmen des Stadtparkfestes am 10.05.2026. Bei dieser Gelegenheit konnten sich Besucherinnen und Besucher über die bundesweite Aktion "abpflastern" informieren. Außerdem konnte man sich bei Experten anhand verschiedener vor Ort ausgestellter Materialien und Pflanzen über die konkreten Möglichkeiten der naturnahen Bepflanzung informieren.
Aufgrund der Relevanz des Themas, sind weitere Informations‑ und Vortragsveranstaltungen geplant. Zudem geht die Stadt mit gutem Beispiel voran und bereitet aktuell die großflächige Teilentsiegelung der Schulhöfe in Merbeck und Rath‑Anhoven vor.
Rechtliche Lage in Nordrhein-Westfalen:
In Nordrhein-Westfalen gilt nach § 8 der Landesbauordnung ein Begrünungsgebot für nicht überbaute Flächen. Seit der Novellierung im Jahr 2024 sind Schottergärten, Kiesflächen und Kunstrasen ausdrücklich unzulässig. Ausnahmen gelten nur für notwendige Stellplätze, Einfahrten oder Unterstände. Die rechtlichen Vorgaben sollen dazu beitragen, die ökologische Leistungsfähigkeit von Vorgärten zu erhalten und die negativen Folgen großflächiger Versiegelung zu vermeiden.
Bundesweite Aktion "abpflastern":
Die Aktion „abpflastern“ setzt sich für mehr Grünflächen und weniger versiegelte Flächen ein. Ziel ist es, Schottergärten und übermäßig gepflasterte Bereiche zurückzubauen und stattdessen naturnahe Gärten zu schaffen. Dadurch werden Biodiversität gefördert, das Mikroklima verbessert und Lebensräume für Insekten und andere Tiere geschaffen.
Als Bürger kann man mitmachen, indem man eigene Flächen entsiegelt, also z. B. Schotter entfernt und Pflanzen einsetzt. Auch das Anlegen von Blumenwiesen, Staudenbeeten oder das Pflanzen von Sträuchern und Bäumen gehört dazu. Oft kann man seine umgestalteten Flächen im Rahmen der Aktion melden oder sich über Informationsangebote und Tipps der Kommune bzw. Initiative unterstützen lassen.
Weitere Informationen zur Aktion "abpflastern" finden Sie hier.
Der Weg zum pflegeleichten und naturnahen Vorgarten:
Ein naturnaher und gleichzeitig pflegeleichter Vorgarten lässt sich mit einfachen Mitteln gestalten, indem man auf Vielfalt und robuste Pflanzen setzt. Statt eines kurz geschnittenen Rasens eignet sich beispielsweise eine Wildblumenwiese, die nur selten gemäht werden muss und zudem Insekten Nahrung bietet. Auch insektenfreundliche, trockenheitsverträgliche und möglichst immergrüne Pflanzen sind sinnvoll, da sie kaum gegossen oder gepflegt werden müssen. Bodendecker helfen zusätzlich, Unkraut zu unterdrücken und den Pflegeaufwand gering zu halten.
Naturnahe Elemente wie eine Trockenmauer oder bepflanzte Wege schaffen Lebensräume für Tiere und sind gleichzeitig dekorativ, ohne viel Arbeit zu machen. Statt versiegelter Flächen kann man wasserdurchlässige Materialien nutzen und sogar die Fugen begrünen. Insgesamt gilt: Wer auf heimische, robuste Pflanzen, wenig Versiegelung und eine eher „naturbelassene“ Gestaltung setzt, schafft einen schönen Vorgarten, der wenig Pflege benötigt und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zum Naturschutz leistet.
