Offener Brief des Bürgermeisters an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW

Bürgermeister Michael Stock hat am 06.03.2020 den folgen Text als offenen Brief an das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW gesandt:


 

Sehr geehrter Herr Minister Laumann,

die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus stellen Menschen, Vereine und Behörden vor besondere Herausforderungen. Krisenstäbe auf allen Ebenen beraten zurzeit über den Umgang mit diesem Virus.

Der Kreis Heinsberg, dem auch die Mühlenstadt Wegberg angehört, ist bundesweit in den Schlagzeilen und von den nachgewiesenen Infektionen besonders betroffen. Durch eine offensive Öffentlichkeitsarbeit gelingt es soweit den Kreis- wie auch den städtischen Behörden, die Lage bei den hier lebenden Menschen sachlich und besonnen zu meistern. Insbesondere die Menschen in der Gemeinde Gangelt müssen mit erheblichen Einschränkungen leben.

Dass sich sodann ein professioneller Fußballverein, wie Borussia Mönchengladbach, gemeinsam mit dem MAGS und der Stadt Mönchengladbach, mit der Frage beschäftigt, ob das für Samstag, 7. März 2020 um 18.30 Uhr anberaumte Fußballspiel gegen Borussia Dortmund stattfinden kann, ist legitim. Das Spiel dann stattfinden zu lassen ist eine Entscheidung, die sicherlich unter Abwägung der entscheidungserheblichen Tatsachen und Umständen getroffen wurde. Darüber hinaus ist das Angebot des Vereins, dass die Fans aus dem Kreis Heinsberg, die nicht das Spiel besuchen möchten, ihr Ticket gegen Erstattung zurückgeben können, ausgesprochen fanorientiert und trägt zur Versachlichung der Debatte bei.

Sehr geehrter Herr Minister Laumann,

dass Sie das Vorgehen des Vereins loben, wie ich der Presse entnehme, kann ich durchaus nachvollziehen. Ihre Antwort auf die Frage, ob Bürgerinnen und Bürger aus dem Kreis Heinsberg besser nicht teilnehmen sollten, um andere Gäste vor einer denkbaren Infektion zu schützen mit einem schlichten „Ja", kann ich hingegen nicht nachvollziehen (RP-Online 4. März 2020, 15.14 Uhr).

Ich bin der Auffassung, dass diese Reaktion genau das Gegenteil von dem ist, was die Behörden im Kreis Heinsberg zurzeit mit ihrer transparenten und engagierten Arbeit gegen die weitere Verbreitung des Virus leisten. Mit Ihrer Aussage unterstellen Sie den Einwohnerinnen und Einwohnern aufgrund ihres Wohnsitzes im Kreis Heinsberg eine generelle Ansteckungsgefahr. Damit sorgen Sie dafür, dass die Menschen hier aufgrund ihres Wohnsitzes im Kreis Heinsberg von anderen Menschen gemieden oder gar diskriminiert werden. Sie suggerieren, die Menschen im Kreis Heinsberg seien grundsätzlich eine potentielle Kontaktperson, mithin eine Gefahr für die übrige Bevölkerung.

Der Kreis Heinsberg ist ein großer Flächenkreis. So beträgt die Entfernung zwischen Gangelt und Wegberg rund 31 Kilometer; während die Entfernung zwischen Wegberg und dem Borussiapark rund 13 Kilometer entspricht.

Entscheiden sich die Verantwortlichen dafür, ein Spiel der 1. Fußball-Bundesliga in Mönchengladbach stattfinden zu lassen, ist es selbstverständlich, dass Fans aus jeder Region der Welt sich dieses Spiel ansehen können.

Die Aufforderung an die Bevölkerung des Kreises Heinsberg, nicht zum Spiel zu fahren, ist eine Stigmatisierung der Menschen in dieser Region und des gesamten Kreises Heinsberg.

Als Bürgermeister von Wegberg möchte ich dieses Stigma weit von der Stadt weisen und darf Sie bitten, zukünftig auf die Wirkung Ihrer Sprache zu achten.

Aufforderungen oder Bitten dienen nicht dem Ziel, die vorliegende Krise für die Bevölkerung im betroffenen Landkreis den Umständen entsprechend zu gestalten.


Mit freundlichen Grüßen

Michael Stock

Bürgermeister